Parmigianino 



 Selfie in Silberkugel 


Girolamo Francesco Maria Mazzola (1503-1540) bekannter unter seinem Spitznamen Parmigianino, ist wohl der bekannteste Künstler der ersten Generation des Manierismus (1520–1600). Bereits im Alter von achtzehn Jahren hatte er mehrere Kirchenbilder vollendet. In den Verträgen wurde er trotz seiner Jugend schon als „Magister“ bezeichnet. Zehn Jahre später wird er in den Dokumenten zur Ausmalung der Apsis der neuerbauten Kirche Santa Maria della Steccata in Parma ehrfurchtsvoll als „Dominus“ bezeichnet.

1521 musste Parmigianino vor den Kämpfen des «Italienkrieges» (1494-1559), an dem neben allen grösseren europäischen auch fast alle italienischen Staaten und gar das Osmanische Reich beteiligt waren, nach Viadana fliehen. Dort malte er das Kirchenbild des «Heiligen Franziskus» für die Kirche der Frati de' Zoccoli und die «Mystische Hochzeit der Heiligen Katharina» für San Pietro.

1524 wagte Parmigianino den Schritt in die Hauptstadt der Kunst nach Rom (neben Florenz). Es gelang ihm dem Medici - Papst Clemens VII. sein Selbstporträt in der Silberkugel und die Beschneidung Jesu zu zeigen. Der Papst war begeistert und verspricht ihm die Dekoration der Sala dei Pontefici. Bald schwärmt die ganze römische Kunstwelt vom «wiedergeborenen Raphael» (Giorgio Vasari).

Wieder musste Parmigianino vor dem Italienkrieg fliehen, als deutsche, spanische und italienische Söldner von Kaiser Karl V. zum "Sacco di Roma" (Plünderung von Rom, 1527) ansetzten.

Kurz vor seinem Tod verklagte die Bruderschaft der Steccata ihn des Vertragsbruchs, worauf Parmigianino zwei Monate ins Gefängnis musste.

Er starb am 24. August 1540 im Alter von nur 37 Jahren an Malaria. Parmigianino wurde von den Brüdern des Ordens der Serviten (Diener) "nackt mit einem Kreuz aus Zypressenholz auf der Brust" bei ihrer Kirche Frati dei Servi beigesetzt.

Sein letztes Selbstportrait schuf Parmigianino kurz vor seinem Tod, ihm genügte dazu ein einfaches Stück Papier. Der 37-Jährige sieht auf dem Bild aus wie ein Greis. Sein Blick scheint bereits ins Jenseits gerichtet. Die Bedeutung der auffälligen, roten Kopfbedeckung, lässt sich nur schwer deuten. Symbolisiert sie den Schmerz, den er erleiden musste, ist es eine Heilkappe, sein Künstlerhut, war sie damals einfach Mode oder will er sie gar als Narrenkappe verstanden wissen. Auch die Haarwelle die schräg aus seinem Bart wächst verwundert. Ist das Bild eine Momentaufnahme einer schnellen Kopfdrehung oder weist sie einfach auf seine Unkonventionalität hin.



Der zeitgenössische Künstlerbiograph Giorgio Vasari (1511-1574) meinte Parmigianino «sei mit dem Pinsel in der Hand geboren», "ein Meister des eleganten Figurenzeichnens" und der "raffinierten Sinnlichkeit".

Hände spielen in Parmigianinos Bildern eine wichtige Rolle. Häufig ziehen sie den Blick genauso wie die Gesichter an. Die Hände zeigen deutlich seinen manieristischen Stil des Gedehnten, Gebogenen, Verzogenen. 





"Maria mit dem langen Hals"



In diesem Bild durchbricht Parmigianino alle Regeln der tradierten Mariendarstellung. Das oft gemalte Bildthema «Maria zeigt den Engeln das Jesuskind» wurde immer in derselben rührenden Weise dargestellt. Bei Parmigianino hat die Darstellung aber einen ausgesprochenen Rätselcharakter.

Statt dem üblichen blauen Kopftuch trägt Maria ein funkelndes Diadem. Auch umkränzt ihr Haupt kein Heiligenschein. Sie sitzt nicht wie vorgegeben auf einem Thron, sondern scheinbar auf einer  schiefen Ebene.

Sehr ungewöhnlich ist auch die Darstellung ihres Gewandes. Das Unterkleid scheint wie ein nasses Tuch um den Körper zu liegen und betont mehr das weibliche Element der Figur, als es zu verhüllen. Der blaue Umhang, das Symbol der Göttlichkeit Mariens, gleitet ihr bald gänzlich vom Körper. Die ganze Figur ist von übersteigerter Eleganz.

Das neugeborene Jesuskind scheint schon mindestens 10 Jahre alt. Es droht bei der nächsten Gelegenheit vom Schoss Mariens zu fallen. Jesus wirkt als sei er bewusstlos. 



Die sonst staunende Engelschar scheint bei Parmigianino am Jesuskind nicht viel Interesse zu haben. Kein Engel schaut auf das Jesulein. Zwei schauen in die Kamera, einer steht völlig desinteressiert im Hintergrund. 

Was das Egelmädchen, das ganz in sich versunken scheint, denkt, ist schwer zu ergründen. Allerdings wirft, auf Bauchhöhe des Mädchens, ihr Kleiderstoff Wellen deren Schattenspiel einen Kinderkopf entstehen lässt. Ist sie schwanger? Jedenfalls kann sie das Jesuskind nicht sehen, da es durch den Arm von Maria verdeckt ist.

Über das silberne Gefäss auf der linken Seite rätseln die Kunsthistoriker, ob es ein alchemistisches Utensil sei, denn Parmigianino betrieb, wie viele seiner Künstlerkollegen, im Geheimen Alchemie, oder eine Vase (Sinnbild der Heiligen Mutter) die die Engel zum Geschenk mitbrachten?








Der Junge mit dem Wasserspender schaut verzaubert direkt auf das lasziv ausgestellte Attribut von Marias Weiblichkeit.


Das Bild scheint unvollendet, wie die meisten Kunsthistoriker glauben. Die einen meinen er hätte einen anderen Auftrag vorgezogen, die anderen, dass er wegen seines frühen Todes mit 37 Jahren das Gemälde nicht beenden konnte. 






Entschuldigt allfällige Orthographie Fehler, ich bin seit Karl dem Grossen der schwerste Legastheniker der Geschichte. Auch die Komasetzung ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln.